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Entkopplung — Behandlung für Trichotillomanie, Nägelkauen und Dermatillomanie

Das zwanghafte Ausreißen von Kopf- oder Körperhaaren (Trichotillomanie) wird gemeinsam mit anderen Störungen wie dem Pulen der Haut oder dem Kauen der Fingernägel zu den körperbezogenen repetitiven Verhaltensstörungen gerechnet. Auch Lippen-Wangen-Beißen oder zwanghaftes Gelenkknacken fallen hierunter. Unser Selbsthilfekonzept "Tricks gegen Ticks", welches auch die Entkopplung vorstellt, erhalten Sie im folgenden Abschnitt. Danach stellen wir die wichtigsten Störungsbilder vor, die im Englischen auch als „body-focused repetitive behaviors“ (BFRBs) bezeichnet werden. Am Ende finden Sie Ergebnisse zur Wirksamkeit der Entkopplungsmethode.

Manual

Wenn Sie daran interessiert sind, mehr über unsere evidenzbasierten Techniken (Varianten von Entkopplung, Habit Reversal Training als Selbsthilfeversion) zur Reduktion von Nägelkauen, Skin Picking oder Trichotillomanie (zwanghaftes Haareausreißen) zu erfahren, dann registrieren Sie sich über den untenstehenden Link. Sie erhalten dann unser Selbsthilfe-Manual „Tricks gegen Ticks“ sowie weitere wertvolle Behandlungstipps.

Trichotillomanie

Während volles und schönes Haar mit Gesundheit, Kraft und auch mit Sinnlichkeit und Sexualität assoziiert wird, werden kahle Stellen oder fehlende Wimpern und Augenbrauen, wie sie für die Trichotillomanie typisch sind, von vielen Menschen mit einer schweren körperlichen Erkrankung verwechselt. Oft schämen sich Menschen mit Trichotillomanie für ihr Verhalten und die damit einhergehenden Erscheinungen. Sie verdecken die kahlen Stellen mit Mützen, Tüchern oder Haarteilen. In einigen Fällen ziehen sich Betroffene ganz aus dem sozialen Leben zurück, was die Lebensqualität weiter einschränkt.

Nägelkauen (Onychophagie)

Die gesundheitlichen Konsequenzen beim Nägelkauen sind im engeren Sinne zwar gering (abgesehen von einer gelegentlichen Entzündung des Nagelbetts); die psychologischen Konsequenzen können jedoch gravierend sein. So sind abgekaute Nägel weithin sichtbar und rufen bei anderen Personen oft Ekel hervor. In der Allgemeinbevölkerung wird Nägelkauen häufig gleichgesetzt mit einem nervösen Charakter und Willensschwäche. Zudem sehen abgekaute Nägel unhygienisch aus: Viele Betroffene genieren sich, anderen Personen die Hand zu geben und andersherum. Das kann wiederum zu geringerem Selbstwertgefühl und sozialer Verunsicherung führen. Die Fingernägel werden teilweise in die Handballen vergraben, was die Störung nur noch auffälliger macht. Betroffene starten oft eine Vielzahl von Versuchen, sich das Nägelkauen abzugewöhnen – oft ohne Erfolg. Neben den von uns vorgestellten Techniken hat sich bitterer Nagellack bewährt, der v.a. hilft, Situationen zu identifizieren, in denen das Nägelkauen auftritt.

Dermatillomanie (Skin Picking)

Dermatillomanie ist eine weitere Impulskontrollstörung, die durch wiederholtes Kratzen, Beißen und Zupfen der Haut gekennzeichnet ist. Wie die oben genannten Verhaltensweisen geht die Erkrankung mit einer Verringerung der Lebensqualität einher und kann zu bleibenden körperlichen Problemen wie Gewebeschäden führen.

Für Betroffene

Weitere Informationen erhalten Sie auf folgenden Wikipedia-Seiten: Skin Picking Disorder, Onychophagie und Trichotillomanie. Nach wie vor gibt es kein zugelassenes Medikament gegen körperbezogene Impulskontrollstörungen. Daher raten wir zur Vorsicht bei Empfehlungen für bestimmte Medikamente.

Berichte in den Medien (Auswahl)

  • Essig-Knop, A. (2019). Was Nägelkauen wirklich stoppt. Apothekenumschau
  • Lubbadeh, J. (2015). Nägelkauen stoppen: "Willensanstrengung allein reicht nicht". Der Spiegel
  • MS (2012). Exzessives Nägelkauen: Neue verhaltenstherapeutische Technik. Deutsches Ärzteblatt
  • Online Focus. 12 Millionen Deutsche tun es täglich: Mit einem simplen Trick kauen Sie nicht mehr an den Fingernägeln. Focus (Video)
  • Techniker Krankenkasse (2021). Life Balance: Schluss mit Kauen und Pulen an den Fingernägeln! Mitgliederzeitschrift Techniker Krankenkasse

Studienergebnisse zur Entkopplung

Die Entkopplungsmethode wurde 2010 von Steffen Moritz entwickelt. Seither konnte die Wirksamkeit dieser einfach zu erlernenden Technik wiederholt bestätigt werden (siehe die unten aufgeführte Literatur). Die Entkopplung wurde bereits in Meta-Analysen und Übersichtsarbeiten empfohlen, darunter in einer systematischen Übersicht von Lee und Kollegen in Frontiers in Behavioral Neuroscience (2019, S. 13): „Throughout the review, we found evidence of benefit for ‘⁠variants’ of HRT [habit reversal therapy], for example ‘movement decoupling’ (Moritz and Rufer, 2011).“

Publikationen

Lee, M. T., Mpavaenda, D. N., & Fineberg, N. A. (2019). Habit reversal therapy in obsessive compulsive related disorders: a systematic review of the evidence and CONSORT evaluation of randomized controlled trials. Frontiers in Behavioral Neuroscience, 13, 79. Link to article (full text)

Moritz, S. & Hauschildt, M. (2016). Handbuch: Erfolgreich gegen Zwangsstörungen (3. Aufl.). Berlin, Heidelberg: Springer.
In agreement with Springer, 100% of the author's revenue will be used for our research!

Moritz, S., Penney, D., Ahmed, K. & Schmotz, S. (2021). A head-to-head comparison of three self-help techniques to reduce body-focused repetitive behaviors. Behavior Modification. doi: 10.1177/01454455211010707. Link to article (full text)

Moritz, S. & Rufer, M. (2011). Movement decoupling: a self-help intervention for the treatment of trichotillomania. Journal of Behavior Therapy and Experimental Psychiatry, 42, 74–80. Link to article (Abstract)

Moritz, S., Rufer, M., & Schmotz, S. (2020). Recovery from pathological skin picking and dermatodaxia using a revised decoupling protocol. Journal of Cosmetic Dermatology, 19, 3038–3040. Link to article (full text)

Moritz, S., Treszl, A., & Rufer, M. (2011). A randomized controlled trial of a novel self-help technique for impulse control disorders: a study on nail-biting. Behavior Modification, 35, 468–485. Link to article (Abstract)

Weidt, S., Klaghofer, R., Kuenburg, A., Bruehl, A. B., Delsignore, A., Moritz, S., & Rufer, M. (2015). Internet-based self-help for trichotillomania: a randomized controlled study comparing decoupling and progressive muscle relaxation. Psychotherapy and Psychosomatics, 84, 359–367. Link to article (Abstract)


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